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Gespräche



 03.09.2026 - Das Gespräch mit der Autorin Inga Persson 



Autorin Inga Persson

Inga Persson schreibt Kriminalromane über das, was unter der Oberfläche liegt: hinter Landschaften, Beziehungen und den Geschichten, die Menschen von sich selbst erzählen. Ihre Schauplätze sind oft von großer Schönheit. Sie spielen am Ammersee, im Alpenvorland, an abgelegenen Orten in den Bergen. Gerade deshalb sind sie voller Spannungen, Sehnsüchten und persönlichen Brüchen.
Inga Persson hat Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie studiert, 1994 promovierte sie. Anschließend schrieb sie jahrelang im Auftrag anderer: erst für Bundestagsabgeordnete, später für ihre Agenturkunden. Heute lebt sie am westlichen Ammersee und betreibt dort die traditionsreiche Pension »Schatzbergalm«. Ihr neuestes Buch „Murnauer Morde“ ist im Emons Verlag erschienen.


Frau Persson, alles gut? Wie ist die Situation in Murnau?
Das neueste Buch von Ihnen „Murnauer Morde“ ist ein Krimi ohne Mord und Totschlag, Messerwerfen oder Axthiebe, und trotzdem es gibt drei Morde. Aufregend, wie geht das?
Sie bringen nicht nur Kriminologische Theorie aufs Papier, die Leserschaft bekommt vergessene oder verdrängte Zeitgeschichte mit. Wer kennt das Gift Sarin?

Die Handlung: Anna ist Tourismus-Expertin, startet in Murnau einen neuen Lebensanfang, da geht aber einiges schief. Dann entdeckt sie am Hohenpeißenberg die Frau. mit der sie verabredet war, doch die Frau ist tot. Nach der Aufregung forscht sie über diese Frau nach und gefährdet ihr eigenes Leben. Dabei bleibt es nicht, die Begegnung mit einem suspendierten Polizisten bringt ihr Gefühlsleben durcheinander, und was ist Vertrauen? Drei Morde ohne Blutvergießen.
Chapeau – Die Murnauer Morde sind Ihr 8. Krimi. Die Protagonisten Ihrer Krimis sind Ihnen ans Herz gewachsen. Emotionen sind eine Stärke dieses Romans. Gibt es da die eine oder andere Emotion und Buchfigur auch in Wirklichkeit? (das ist die erste Frage)
Vorweg eine Rückmeldung zu den Figuren: Meine Heldin Anna Sieveking und den Kommissar Andreas kennt man schon aus dem Buch „Tod am Staffelsee“. Hier in „Murnauer Morde“ begegnen sie sich wieder. Was mich an den Emotionen reizt, ist immer das „nicht Normale“, der Konflikt der Menschen. Beide sind in Lebenssituationen, in deren sie sich nicht wohlfühlen. Im ersten Band haben sie sich zu schnell vertraut, und im zweiten Band müssen sie herausfinden, ob sie sich vertrauen können. Und das ist etwas, was sie sich erarbeiten müssen. Alles das sind Emotionen, und jeder von uns kennt sie, natürlich nur, wenn er bereit ist diese wahrzunehmen.

Verstehe, Sie haben keine direkten Vorbilder gehabt, zum Beispiel die Freundin, oder Schwägerin oder, oder?
Nein, nein, natürlich gibt es immer wieder Anlehnungen an das gelebte Leben, aber nicht eins zu eins, denn das wäre zu langweilig.

Warum beschäftigt Sie „Morde“?

Es ist eigentlich nur der Konflikt, weil ich glaube, dass sich Menschen nur zeigen, wenn sie in herausfordernden, veränderten Situationen sind. Ich möchte, dass meine Leser sich gut unterhalten fühlen, eine Krimigeschichte mit einem dahinterstehenden starken Konflikt ist eben unterhaltsam.

Wie lange war der Schreibprozess zu den Murnauer Morden?
Das Schreiben ist nicht so viel, die Vorbereitung eher. Ein Projekt dauert so ca. ein Jahr. Wenn der Vertrag mit dem Verlag unterschrieben ist, und meine Geschichte steht, denke ich schon weiter an das nächste Projekt.

Die Handlung in „Murnauer Morde“ ist verpackt in den Befindlichkeiten der Hauptfiguren. Sie, die Autorin, beobachten die Beziehung bzw. Nichtbeziehung von Anna und Andreas. Zum Schluss ist es eine Beziehungsanalyse. Ist dies eine Botschaft an „Liebende“?
Botschaft? Ich würde mal so sagen, ich verhandle dort Themen von erwachsenen Menschen. Es geht ja immer um Vertrauen, Zuneigung, wie weit gehen wir auf einander zu, oder können wir überhaupt miteinander reden? Also universelle Themen. Ich habe kein Interesse an schwermütiger Nabelschau.

Aus der Protagonistin Anna ist eine couragierte Journalistin geworden, und ihr geht es um Fakten. Wie haben Sie diese entwickelt?
Die ursprüngliche Idee stammt von einem Vortrag, den ich über die Wetterstation hier am Hohenpeißenberg gehört habe, und über das Wetterphänomen der „Lechthalerin“. Das ist das gefürchtete Unterwetter dieser Gegend. Die Lechthalerin hat mir geholfen, die Morde zu verstecken.

In meinen Augen ist zwischen Anna und Andreas sowas wie eine Gesprächsanalyse entstanden. Haben Sie Fachleute zur Rate gezogen?
Nein, aber ich habe mich von einem guten Freund beraten lassen, dem auch das Buch gewidmet ist. Mit ihm habe ich sehr intensiv wie auch kontrovers über Männer geredet, wie Männer reagieren und was sie sagen beziehungsweise was sie nicht sagen.

Normalerweise sind in Krimis, Liebesromanen oder Biographien die Handlung fortlaufend in der Geschichte. Sie haben einen anderen Schreibstil gewählt: Jedes Kapitel gehört einer Person aus dem Buch. Diese erzählt was sie so denkt, sagt, zum Mordfall, die eigene Wahrnehmung, auch die Nebengefühle kommen zu Wort. Dieser Stil ist Klasse. Ist dieser Schreibstil von selbst, also beim Schreiben, entstanden?
Nein, das war eine bewusste Entscheidung. Nachdem ich etliche Romane aus der Perspektive des allwissenden Erzählers in der dritten Person Vergangenheit erzählte habe, also mich des Klassikers bedient habe, habe ich mich auf eine neue Perspektive eingelassen. Der Stil in der ersten Person Präsens zu erzählen, bringt die Protagonisten viel näher, als Leser ist man so nah dabei, wird in die Gedankenwelt der Figur mitgenommen. Das gefällt mir und hat mir Spaß gemacht beim Schreiben. Auch, dass die Kommissarin Sandy eine dritte Perspektive eingenommen hat.

Die Hauptfiguren Anna, Sandy, Andreas sprechen jeder in eigenen Kapiteln aus ihrer Sicht über dem Fall und über die Begegnung mit Anderen. Gabi, die Freundin und Chefin von Anna hat kein eigenes Kapitel. Dabei ist sie doch eine wichtige und treibende Person. Wurde sie bewusst nicht einbezogen
?
Gabi ist eine Nebenfigur, wie die anderen im Roman auch. Gabi ist für das Vorankommen des Falls nicht so wichtig.

In diesem Krimi kommt viel deutsche Geschichte vor. Wäre für Sie das ein Anlass, die Vergangenheit rund um den Ammersee in ein Buch zu packen?

Nein. Alles schon vorhanden. Ich bin kein Mensch für Historisches Schreiben.

Sie halten die Spannung bis zum Schluss, doch hätte es im Fall der „Murnauer Morde“ ein anderer Schluss und anderer Täter sein können?
Ja, natürlich immer, aber ich ihn so konstruiert.

Das Ende war sehr überraschend, dass hat man nicht vermutet.

Frau Persson lacht. Das war auch der Sinn, den Leser zu überraschen.

Am Anfang Ihrer Bücher steht eine gute Idee, und Sie machen daraus eine packende Geschichte. Frau Persson, nicht nur ein Besuch auf der SchatzbergAlm am Ammersee ist ein Erlebnis, Ihre Bücher sind es auch. Wir warten ungeduldig auf das nächste Buch.
Vielen Dank für das Gespräch


©Steffi.M.Black 2026 (Text)
©Sabine Jakobs(Bild)




Aus dem Buch: Andreas:

Was willst du damit sagen?“ frage ich, obwohl ich in meinem Kopf bereits die Puzzleteile zusammensetze. Der Polizist in mir fängt an zu denken, automatisch, effizient. Und gleichzeitig halte ich mir selbst den Mund zu. Du bist suspendiert. Du bist raus.