Newsletter

Journal

Möbel für den Lesegarten
mehr lesen
...

Pinnwand in Bogenhausen
mehr lesen
...

Info-Bildschirm
mehr lesen
...

Gesellschaftsspiele
mehr lesen
...

Büchertrog Bogenhausen
mehr lesen
...

Gartenstühle in Bogenhausen
mehr lesen
...

Sie sind hier: Gespräche#410

Gespräche



 01.03.2019 - Das Gespräch mit Doris Reinwald im Gasteig 



Referentin Doris Reinwald

Doris Reinwald ist Referentin für Belletristik und Literaturwissenschaft in der Münchner Stadtbibliothek. Sie ist zuständig für den Bestand belletristischer Bücher, sorgt für das Vorhandensein von spannender Unterhaltung in den Regalen und kauft weitere Bücher aus der Vielfalt des Büchermarktes ein.

Frau Reinwald, was ist Ihre Aufgabe in den großen Hallen des Gasteigs? Die Bücher, die in den Belletristik-Regalen der Münchner Stadtbibliotheken stehen, sind von Ihnen ausgesucht worden. Wie funktioniert das?
Die Basis ist immer eine umsichtige Marktsichtung. Und zwar wenn möglich vor Erscheinen der Bücher anhand von Verlagsankündigungen. Das sind unter Umständen sehr große Mengen, daher beschränke ich mich auf solide Verlagspublikationen. Ich versuche ein breites Feld abzudecken und für alle Standorte – sei es die Bibliothek Am Gasteig, die Stadtteilbibliotheken oder auch die sozialen Bibliotheksdienste – geeignete Titel auszusuchen. Für die Bibliothek Am Gasteig treffe ich die Kaufentscheidung, für die Stadtbibliotheken erstelle ich Angebotslisten, aus denen diese wiederum auswählen können.
Bei der Auswahl gilt mein erster Blick dem Verlag, der zweite Blick den Autoren und Autorinnen. Dann gleiche ich ab, ob und wo von dem Autor, der Autorin schon Titel in der Münchner Stadtbibliothek vorhanden sind. Es gibt so unendliche viele Lesebedürfnisse, ob es "das Abtauchen“ ist,“die Unterhaltung“, oder die Auseinandersetzung mit Themen, die im Moment die Gesellschaft bewegen. Es gibt interessante Romandebüts und ebenso gibt es großartige Autoren und Autorinnen, auf deren neue Romane man schon wartet.

Da ist es gut, den Überblick zu haben.
Wie gesagt – das erste ist die Marktsichtung, dann die Auswahl nach bestimmten Kriterien. Alle Referenten und Referentinnen im Lekorat sind bemüht, sich über Neuerscheinungen in ihren Bereichen möglichst frühzeitig zu informieren, damit wir den Kundinnen und Kunden der Münchner Stadtbibliothek diese Titel so schnell wie möglich zur Verfügung stellen können.

Ist es selbstverständlich, wenn ein Buch erscheint und zeitgleich ein Hörbuch dazu, dass Sie beides einkaufen?
Meistens wird beides zugleich erworben. Ziel ist es außerdem, aktuelle Titel auch als e-Medium für die onleihe zeitgleich zur Verfügung zu stellen – das ist allerdings aufgrund der besonderen rechtlichen Situation bei digitalen Medien und der damit verbundenen Lizenzmodelle nicht immer möglich.

Das ahnt der Benutzer nicht, der am Regal steht und Bücher aus der Vielfalt des Angebotes herausnimmt. Sie bewältigen ein breites Spektrum.

Es ist sehr vielseitig, weil zu den aktuellen Neuerscheinungen natürlich auch noch die Neuübersetzungen oder Neuauflagen von internationalen Klassikern kommen. Ich versuche da einen Weg zu finden, um viele Bereiche abzudecken und auch niemanden auszuschließen. Dabei ist es auch interessant, wie manche Genres kommen und gehen. Vor ein paar Jahren gab es die Mystery-Welle, dann kamen die Regional-Krimis, jetzt ist Sience Fiction wieder im Kommen. Es ist spannend, wie sich Lesebedürfnisse ablösen und wie auch der Markt darauf aufspringt oder umgekehrt.

Welche Ausbildung ist für Ihren Beruf eine Voraussetzung?
Ich habe an der Fachhochschule für öffentliches Bibliothekswesen in Stuttgart studiert und bin Diplom-Bibliothekarin. Mit meiner Berufstätigkeit fing ich nicht gleich in München an. Ich begann in einer kleinen Bibliothek bei Würzburg – dort habe ich eine Menge gelernt, einfach dadurch, dass ich dort mehr oder weniger alles alleine machen durfte und musste.

Sind Männer im Team dabei, und wie viele?

In meinem Team keiner. Leider, ich mag gemischte Teams.

Sie haben Einfluss auf die Auswahl der Bücher, doch müssen Sie da noch jemanden zur Korrektur holen?

Eigentlich nicht. Wenn ich mir unsicher bin, oder wenn es einen Roman gäbe, der zweifelhaft vom Inhalt ist, dann wende ich mich an den Cheflektor unserer Abteilung. Es gibt immer wieder Einzelfälle, über die wir diskutieren.

Wie verantwortlich ist ihr Job?

Besonders wichtig ist die Kenntnis der Verlagslandschaft in meinem Verantwortungsbereich - die Verlage mit ihren Profilen und ihren Lektoraten bieten sicher auch eine Art von Qualitätskontrolle.

Uff, dahinter verbirgt sich ganz schön viel Arbeit, bis der Benutzer, zum Beispiel, das neueste Buch von Ulrich Chaussy über Rudi Dutschke ausleihen kann
.
Frau Reinwald nickt mit dem Kopf.

Frau Reinwald, gibt es Fehlentscheidungen?
Ja, bestimmt.

Haben Sie die bereut?
Bereut eigentlich nicht. Es gibt Bücher, die ich den Stadtbibliotheken angeboten habe, weil ich dachte, das Buch würde stark nachgefragt werden und dann war das aber nicht so. Umgekehrt ist es natürlich besser. Wenn ich anhand unserer Vormerklisten sehe, dass bestimmte Romane besonders gefragt sind, kann ich schnell reagieren und die Stadtbibliotheken mit den Titeln versorgen.

Organisieren Sie auch öffentliche Lesungen?

Nein, aber wenn das Team Programm- und Öffentlichkeitsarbeit eine Lesung organisiert, werde ich natürlich informiert, damit wir die entsprechenden Titel der eingeladenen Autoren und Autorinnen auch im Bestand haben.
Zu meinen Aufgaben gehört eher die Bestandsvermittlung, und da arbeite ich viel mit den Kolleginnen und Kollegen aus den Stadtbibliotheken zusammen: wir machen mit unterschiedlichen Präsentationen auf bestimmte Themen oder Genres aufmerksam. Letztes Jahr haben wir z.B. einen Adventskalender mit empfohlenen Romanen der einzelnen Stadtbibliotheken erstellt. Zweimal jährlich stellen wir in mehreren Stadtbibliotheken unter dem Motto „Lesezeichen“ empfehlenswerte Neuerscheinungen vor.

Wie bekomme ich als Benutzer mit, wenn die Buch-Empfehlungen vorgestellt werden?

Es liegen Flyer aus und es hängen Plakate in den Bibliotheken. Natürlich können Sie sich auch auf unserer Homepage informieren: https://www.muenchner-stadtbibliothek.de/.

Frau Reinwald, Sie arbeiten nicht mehr mit Karteikarten. Wie gehen Sie mit neuen Medien und Techniken um?

Ich nutze sie. Statt Zettelkatalogen haben wir heute unseren Onlinekatalog. Aber natürlich hat sich auch unser Medienangebot in den letzten Jahren verändert: wir bieten selbstverständlich auch e-Medien und Datenbanken an.

Was erschwert Ihren Einkauf oder Ihre Entscheidungen?

Manchmal die Masse. Einfach die Masse. Die macht es einem schwer, weil wir auch den Anspruch haben, aktuell zu sein. Da muss ich manchmal schon sehr hinterherhecheln.

Es gibt ein Blog auf der Webseite der Münchner Stadtbibliothek, auf dem auch Bücher vorgestellt werden. Wie kann man das erfahren, auch wenn man kein Benutzer der Stadtbibliothek ist?
Das Blog hat Katrin Schuster, unsere Kollegin, die für Social Media zuständig ist, ins Leben gerufen:
https://blog.muenchner-stadtbibliothek.de/ Ich habe eine kleine eigene Rubrik „Doris hoch 3“ - dort stelle ich monatlich drei aktuelle Titel aus dem Bestand der Stadtbibliothek Am Gasteig vor, meistens Debüt-Romane oder Neuerscheinungen aus kleineren oder auch unabhängigen Verlagen.
https://blog.muenchner-stadtbibliothek.de/?s=doris&submit=Suche

Frau Reinwald, was wünschen Sie sich für dieses Jahr?
Weiterhin viele schöne und interessante Bücher.

Auf diese freuen wir uns auch, wir Benutzer und Benutzerinnen der Stadtbibliotheken. Vielen herzlichen Dank für das Gespräch.


©Steffi.M.Black 2019(Text)
©Gasteig(Bild)