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Gespräche



 19.09.2014 - Max Bronski - Krimiautor 



Franz Maria Sonner alias Max Bronski

Max Bronski
Bücher finden wir Benutzer in den Münchener Stadtbibliotheken. Max Bronski beglückt uns Leser mit amüsanten München-Krimis, und bringt uns in Stadtteile, die man auf dem Weg zur Theresienwiese, wenn das Oktoberfest ruft, meistens nur als Abkürzung kennt.



Max Bronski, Herr Sonner, war bisher ein Phantom. Nun wurde das Geheimnis gelüftet und heraus kam, dass Sie, Herr Sonner, es sind, der diese Bücher geschrieben hat. Dabei sind Sie als Franz-Maria Sonner Autor vieler Romane und selbst Herausgeber für Hörproduktionen in Ihrem Quartino Verlag. Sie haben lange durchgehalten, uns unter Pseudonym in Spannung zu halten.
Wie ging das?

Weil mir die Existenz als Anonymus sehr angenehm gewesen ist. Ich glaube, dass sich ein Autor um das Schreiben kümmern und sich generell zurückhalten sollte, wenn er in die Öffentlichkeit tritt. Der englische Schriftsteller Ian McEwan formulierte es so: »für den Autor ist eine Meinung zu äußern immer das billigste, um sich zu vermarkten.«
Man sollte das tun, was man glaubt zu können, nämlich Bücher schreiben. Damit hat man sich für die bestmögliche Form, einen Stoff zu präsentieren, entschieden. Ein Autor tut das in der Hoffnung, dass nach Fertigstellung eines Buches nicht die Mörderfrage gestellt wird:»wie haben Sie denn das gemeint?«
Das alles ist mir in der Anonymität erspart geblieben, und ich konnte mich auf das konzentrieren, was ich gerne gemacht. habe Deshalb war das für mich eine gute Zeit. Ich habe es nie bereut, verschwunden gewesen zu sein, und mir hat nichts gefehlt, dass sich niemand um mich gekümmert hat.

Jetzt kann sich Max Bronski selbst in der Öffentlichkeit mit Lesungen präsentieren und muss nicht mehr durch den Schauspieler Michael Fitz vertreten werden.

Das letzte Buch von Max Bronski heißt „ Der Tod bin ich“.
Was hat so bewegt, nach den München-Krimis ein Buch über Fragen der theoretischen Physik zu schreiben, und was hat das mit Tod zu tun?

Ich hab die München Krimis sehr gerne geschrieben. Ich lebe hier, bin hier geboren, und alles ist mir vertraut. Ich habe aber auch das Bedürfnis, mich mit anderen Themen zu beschäftigen, in diesem Fall eben mit der Physik. Ich wollte in diesem Buch einen ernsthaften Stoff bearbeiten. „Der Tod bin ich“ war eine reizvolle Aufgabe.
Oder anders ausgedrückt: ich hatte nach der Gossec-Serie den Eindruck, etwas anderes bearbeiten zu müssen, um im Kopf frisch zu bleiben.
Der Titel „Der Tod bin ich (Erschütterer der Welten)“ ist ein Zitat aus den Lehren der Bhagavad Gita, das Robert Oppenheimer bei der ersten Atombombenzündung in der Wüste von New Mexico ausgesprochen haben soll. Für den Krimi ist es ein schöner, auch reißerischer Titel, für die, die dahinter schauen wollen, ist es ein Zitat von Robert Oppenheimer.

Wird Max Bronski weiter schreiben, denn in der Presse ist zu lesen, dass Sie Musik machen wollen und das es nun eine Max Bronski Band gibt?
Ja, Max Bronski wird weiterschreiben. Sofern ich Krimis schreibe, werden diese unter Max Bronski erscheinen. Ich arbeite an drei Manuskripten, die alle schon fast fertig sind.

Wir sind sehr neugierig, verraten Sie uns was in Ihrer Schublade liegt?

Also, wenn ich meine Schublade aufmache, kommt zuerst das Manuskript einer Musiker- Biographie aus den 60igern zum Vorschein. In „Mad Dog Boogie“ (Arbeitstitel) geht es um einen Musiker, der aufgrund starker Drogenerlebnisse in eine Psychose gerät und glaubt, dass er ein Mörder ist. Diesen Nebel will er lichten.

Woran arbeiten Sie noch?

An einem Finanzmarkt-Krimi. Ich hab mich sehr mit Finanzmarktthemen und Entwicklungshilfe beschäftigt. Die Schauplätze in diesem Roman „Reiter auf dem Sturm“ (Arbeitstitel) sind um die ganzen Welt verstreut. Es ist die Geschichte einer blutigen Rache bei der das Geldthema immer eine Rolle spielt.

Und das dritte Manuskript?
„Der Pygmäe von Obergiesing“, mein fünfter München Krimi. Mein grantiger Trödler Wilhelm Gossec ist auch wieder dabei.

Uff, Herr Sonner, alle Achtung, und dann machen Sie noch Musik?

Ja, seit Anfang des Jahres gibt es die Max Bronski Band, in der ich mitspiele. Wir starten am 21. Oktober mit einem Rock’N’Crime Salon im Milla Club/Glockenbachviertel mit Krimis und Musik.

Für wen schreiben Sie, wie stellen Sie sich Ihre LeserInnen vor?

Hm, irgendeine Gruppe habe ich nicht wirklich vor Augen. Ich bin natürlich glücklich, wenn das Publikum bei meinen München Krimis diese Art von Humor und Ironie versteht und sie goutieren kann. Ich habe es am liebsten, wenn die Leute lachen. Leute zum Lachen zu bringen, sie mit dem eigenen Humor zu erreichen und zu berühren, ist einfach eine tolle Sache.

Viele Schriftsteller entwickeln produktiven Ehrgeiz,
wie ist das bei Franz-Maria Sonner?

Ich hab den Ehrgeiz, nicht bei dem was ich schon gemacht habe stehen zu bleiben. Ich will daher auch wieder an einen literarischen Stoff gehen. Konkrete Pläne sind schon da. Und der Antrieb ist, dass für mich die Arbeit interessant bleibt und Spaß macht, wenn ich etwas Neues entdecken kann.

Es wird immer über die Zukunft des Buches spekuliert. Hat das gedruckte Buch eine Zukunft?
Alle sind sich einig, dass mittelfristig das gedruckte Buch nicht verschwinden wird. Aber die Buchform wird es immer geben, denn sie respräsentiert ideal die Art und Weise, Erzähltes zu Verschriftlichen.
Ganz einfach gesagt, jede Geschichte entwickelt sich von einem Anfang zum Ende. Dem entspricht der Aufbau des Buches, sich blätternd über Seiten und Kapitel durch eine Erzählung zu bewegen. Das Buch ist, wenn man so will, ein fast natürliche Form dafür, nicht nur in einem physischen, sondern auch in einem metaphorischen Sinn. Die Buchmetapher ist ein ganz grundlegendes Prinzip, Inhalte zu organisieren und präsentieren, davon kommt auch die elektronische Gestaltung nicht weg. Deshalb habe ich überhaupt keinen Zweifel, solange sich Menschen Geschichten erzählen, wird es auch immer die Buchform geben.

Das Freihandelsabkommen der EU mit den USA wird seit Monaten unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt. Derzeit sieht es so aus, das die Kultur, also auch das Buch, ausgenommen wird. Strittig ist beim E-Book, ob es ein Kulturgut oder Dienstleistung ist.

Beim Buch wird ja nicht über bestimmte Formen gesprochen. Wenn wir Leser ein Buch meinen, dann sprechen wir immer von Inhalten. Ob dieser Inhalt elektronisch oder gedruckt vorliegt, ist eigentlich vollkommen gleichgültig. Für mich ist es nicht nachvollziehbar, warum für ein E-Book nicht die gleichen Regeln gelten sollen wie für ein gedrucktes Buch.

Halten Sie die Buchpreisbindung für nötig, damit das Buchhandlungssterben aufgehalten wird?

Die Preisbindung gibt den Kleinhändlern eine Chance. Ich freue mich über jede engagierte Buchhandlung, über die Schaufenstergestaltung, die Art wie Bücher präsentiert werden, wo einfach BuchhändlerInnen am Werke sind, die sich engagieren. Der Buchhandel hat dann eine Chance, wenn er auch mutig ist. Nur Bestsellerbücher auszulegen ist keine Kunst, die werden auch im Internet präsentiert. Der Buchhändler wird gebraucht, der durchs eigenes Engagement die Buchkultur am Leben hält, und dazu muss er sich was trauen. Er muss einen eigenen Geschmack haben, beraten können, den Leuten Hinweise geben. Wenn der Buchhandel dieses nicht leistet, schafft er sich selber ab.

Genießt der Autor FMS die Einsamkeit beim Schreiben?

Genießen? Ich würde das eher so sagen: man muss mit sich alleine sein können, um ein Buch zu schreiben. Wer das nicht aushalten kann, kann so eine Arbeit nicht machen.

Wann wird Max Bronski verfilmt werden?

Ansätze und Projekte gibt es schon. Das Hauptproblem ist wie immer das Geld. Aber mit ein bisschen Geduld wird es sicher auch eine Bronski Verfilmung geben.

Und was macht Max Bronski außerdem noch, gibt es um ihn ein neues Geheimnis?
Nein, ich lebe ganz geheimnislos, ich arbeite, ich schreibe und ich mache Musik. Das soll auch so bleiben. Ich werde in Zukunft als Max Bronski wie auch als Franz-Maria Sonner Bücher schreiben und diese auch veröffentlichen.

Diese Bücher werden dann in den Stadtbibliotheken stehen, die wir Benutzer mit Vergnügen ausleihen können, und wir freuen uns auch auf Lesungen.
Die LeserInnen von Bücher u. mehr warten ungeduldig auf neue Bücher von Max Bronski und Franz-Maria Sonner
.

Herr Bronski, Herr Sonner, wir danken Ihnen für das Gespräch.


©Steffi M.Black 2014(Text)
©F.M.Sonner 2014(Bild)