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Gespräche



 02.07.2013 - Das Gespräch mit Friedrich Ani 



Friedrich Ani

Friedrich Ani,
Autor vieler Kriminalromane, Jugendbücher, Drehbücher, Hörspiele, Erzählungen und Romane. Seine Krimis sind ziemlich unblutig, dafür umso mehr in geheimnisvoller Spannung. Als Kulturjournalist ist Friedrich Ani in München zuhause und war vor 10 Jahren dabei, um sich für das Bücherbegehren einzusetzen, als in München die Schließung von Stadtteilbibliotheken drohte
.

Herr Ani, warum haben Sie sich damals vor 10 Jahren für die Erhaltung der Stadtbibliotheken eingesetzt?

Um sich für Stadtbibliotheken einzusetzen, braucht\'s keinen Anlass. Ich hab\' viele Jahre, wohl wie so viele andere Menschen auch, eher wenig Bücher gekauft, dafür umso mehr ausgeliehen. Zuerst ging ich in die Gemeindebücherei auf dem Land, und dann in der Stadt in die Stadtbibliotheken.

Spielen oder spielten Stadtbibliotheken in Ihrem Leben ein Rolle?
Ja, sie spielen eine große Rolle. Ich hab\' als Kind schon meine Bücher aus den Bibliotheken geholt, da wir zuhause keine Bücher hatten. Als leidenschaftlicher Leser sind diese Orte für mich sehr wichtig. Für mich sind Bibliotheken ein sinnlicher Ort, so wie Gaststätten oder Parks.

Wie war Ihr Weg zum Lesen?

Der Weg zum Lesen kam über das Vorlesen. Mein Großvater hat mir sehr viel vorgelesen, meine Großmutter natürlich auch. Das war die Quelle meiner Phantasien, als ich den Geschichten zuhörte und festgestellt habe, dass sie mich interessieren, und ich sie auch unbedingt selber lesen wollte.

Herr Ani, in Ihrer Ausbildung zum Journalisten waren Sie auch Polizeireporter. Da bekommt man eine Menge zu sehen, und schaut in ganz andere Lebenswelten. In ihren Kriminalromanen geht es immer um das Verschwinden von Menschen. Ist in dieser Zeit der Krimi-Zyklus mit dem unorthodoxen Kommissar Tabor Süden entstanden?
In der Zeit als Polizeireporter, die übrigens ganz kurz war, ist gar nichts entstanden außer Zeitungsartikeln. Hin und wieder habe ich auch Gedichte und Kurzgeschichten geschrieben, meine Krimis kamen erst viel später.

In Ihrem eigenwilligen Buch \"Wie Licht schmeckt\" ist eine der Hauptfiguren die Kellnerin Sonja. Sie ist blind, und sie ist eine tolle junge Frau. Was haben Sie getan, um sich beim Schreiben in die Situation von Sonja zu versetzen?
Ich versuche das, was ich eigentlich immer tue. Wenn ich eine Figur erfinde, die mir nahe kommt, dann bin ich das (der Protagonist)! Natürlich bin ich nicht mit verbundenen Augen durch München gelaufen, ich hab mich informiert - wie immer. Ich habe Leute getroffen, die nicht von Geburt an blind waren, sondern erst später erblindeten. So hab\' ich mich von außen nach innen der Figur genähert. In einer Reportage las ich über eine blinde Kellnerin, das fand ich sehr eindrucksvoll, das ließ mich nicht los, und ich fing an zu recherchieren. In diesem Buch ist aber der Junge Lukas, 14 Jahre alt, der Protagonist, und über seine Streifzüge durch die Stadt konnte ich Sonja in die Geschichte einbringen.

Einigen Protagonisten in Ihren Büchern geht es nicht gut. Nicht nur Sonja ist blind, auch der Kommissar aus dem Buch \"Die Tat\". Haben Sie persönliche Erlebnisse mit blinden Menschen?
Nein, aber ich finde es interessant zu erzählen, wie nach einem Unfall, in diesem Fall die Erblindung des Kommissars Jonas Vogel, wie er von den anderen gesehen wird, so, als wäre er total behindert, was er aber nicht ist. Das ist der spannende Punkt. Die Konflikte mit der Familie, mit den Ex-Kollegen, diese zu beobachten ist eine Herausforderung. Ich schaue gerne im Alltag auf Menschen, man sieht so viele menschliche Eigenheiten. Ich habe großen Respekt vor blinden oder sehbehinderten Menschen, die trotzdem ihr Leben hinkriegen. Unfassbare Leistung. Ich habe einige getroffen, die dieses Schicksal haben. Die Geschichten aus den Recherchen zu meinem Kommissar, die ich von einigen dieser Menschen bekam, waren so unglaublich, sie haben all das bestätigt, was ich mir vorher ausgedacht hatte. Das empfand ich wie eine Erlaubnis, meine Geschichten schreiben zu dürfen.

Können Ihnen Bücher Trost geben?
Natürlich, wie Musik auch. Die Bücher sind mir ein großer Trost, trotzdem suche ich keine Lösungen in ihnen. Ich will nicht, dass mir jemand \'was erklärt. Ich will nur, dass mir jemand eine Geschichte erzählt, und der Hauptfigur kann es genau so gut oder schlecht gehen wie mir. Wenn es gut erzählt ist, werde ich irgendwas begreifen, irgendetwas wird mir helfen über meinen eigenen Tag zu kommen.

Wählen Sie Klassiker dazu aus?
Ich bin nicht festgelegt, manchmal sind es Gedichte, Tagebücher oder Anton Tschechow, Franz Kafka, die ich immer wieder lese. Der großartige italienische Dichter und Schriftsteller Cesare Pavese gehört auch dazu.

Herr Ani, Sie sind FC Bayern Fan. Spielen Sie auch Fußball? Wobei das Wort \"spielen\" gar nicht zu dieser harten Fußballarbeit passt.
Das Spielen ist natürlich da, nur weil die Fußballer mittlerweile viel Geld bekommen, heißt es ja nicht, dass sie nicht mehr spielen, so wie im ursprünglichen Sinne. Wenn man ihnen gerne zuschaut, als wäre es ein leichtes Spiel, dann haben die Fußballer ihr Handwerk gelernt. Dann sieht alles wie ein Spiel aus, oder?

Wie lange sind Sie ein Freund vom FC Bayern?
Ach ziemlich lange schon, so ca. 45 Jahre.

Herr Ani, Sie sind ein diskreter Erzähler, doch Ihre Bücher haben Dichte und Spannung. In welchen Ihrer Kriminalromane spielen Täter Fußball?
Die Täter und Kommissare sind alle unsportlich, die haben keine Kondition.

Was fällt Ihnen zu Ihrem Buch \"Der verschwundene Gast\" ein?
Dass es in Schwabing spielt, und im ADRIA, dem Lokal an der Leopoldstraße, in dem wir jetzt sitzen.

Um die Jahrtausendwende, wie sich das anhört, wir können auch sagen \"damals so zwischen 1990 und 2000\" gab es ein Literaturtelefon: \"Literatur am Ohr\". Man wählte eine bestimmte Nummer, und so konnte man am Telefon Geschichten oder Gedichte verschiedener Autoren hören. Wie oft waren Sie persönlich zu hören?
Drei oder viermal, ich weiß es nicht mehr genau. Immer mit neuen Geschichten.
Ja, ich fand das sehr originell und witzig. Ich finde alles gut, mit dem man Texte und Literatur unter die Leute bringt. Ich mag auch Poetry Slams oder Lesebühnen wie die Schaumschläger im Vereinsheim, in dem ich gelegentlich auch auftrete. Das Literaturtelefon war eine originelle Idee.

Bleiben wir bei den Stadtbibliotheken. Diese haben einen kulturellen Auftrag, und sollen der Volkskultur bzw. der Bildung dienen. Sie sind ein Wissensspeicher. Das wird so selbstverständlich hingenommen. Was sollte geschehen, um sie attraktiver zu machen, und wie könnten die Stadtbibliotheken auf die neue digitale Welt eingehen?
Nach meinen Beobachtungen tun es ja die Stadtbibliotheken schon. Man kann am Computer sitzen und Bücher als Datei `runter laden. Der zeitgemäße Einfluss ist schon wichtig, aber eigentlich geht es darum, dass man das gedruckte Buch erhält und dass das Lesen von Büchern schmackhaft bleibt. Wichtig ist, ständig mit Schulen und jungen Lesern in Kontakt zu bleiben. Aus dem Schulzimmer \'raus, und Unterrichtsstunden auch mal in einer Bibliothek zu halten. Es gibt für Kinder über die Stadtbibliotheken so viel Zugang, um eine Welt von Büchern zu öffnen.

Was halten Sie von e-Books?
Ich bin weder dafür noch dagegen. Wenn man vom e-Book Reader lesen kann, ist das schon recht. Für mich ist das einfach nichts, ich blättere gerne die Seiten in einem Buch um, das kann man beim e-Book nicht. Auf jeden Fall nicht so, wie ich es gewohnt bin.

Eine letzte Frage, Herr Ani.
Sie bereichern uns Leser mit einer großen Zahl von Büchern, Geschichten, Romanen, Kriminalromanen. Sie haben fantastische Drehbücher für Filme und den sonntäglichen Tatort geschrieben. Für\'s Ohr Hörspiele und eigenwillige schöne Kinder u.Jugendbücher. Wir vergessen auch nicht die Theaterstücke. Da gibt es ein Buch von Ihnen mit Gregor \"Gregor oder wohin die Träume tragen\". Eine fabelhafte Geschichte mit den Bildern von Quint Buchholz. Wohin tragen die Träume Friedrich Ani?

In neue Geschichten und zu neuen Büchern, die ich noch gar nicht kenne. Ich vertraue auf meine Träume und Intuition, das ist sehr hilfreich. Ich träume einfach von neuen Geschichten.

Herr Ani, auf diese freuen wir uns, und wir danken Ihnen für das Gespräch.



©Steffi M.Black 2013(Text u.Bild)